X Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

 

 

 
 

Art - Night


"Ein unvergesslicher Abend"

RZ vom 29. Oktober: "Lesen, malen, spielen und improvisieren" (Art-Night in der Alten Markthalle)

Die Neugier trieb mich in die alte Markthalle, in Erwartung der hochrangigen angekündigten Künstler. Durch die besondere Umgebung wurde man beim Betreten der gigantischen Halle in eine spezielle Atmosphäre in Spannung versetzt, die den ganzen Abend anhielt. Die Zusammenstellung der Künstler, deren Werke an den rustikalen hohen Wänden der alten Markthalle besonders gut zur Geltung kamen, die den Zuhörer/-schauer in Staunen versetzende Darbietung von X-Dream in Zusammenarbeit mit Tänzern des Stadttheaters, die anschließende erotische Leseperformance von Peter Lohmeyer, zu der Helge Leiberg mit dem Pinsel an der riesigen Leinwand nur so explodierte, und abschließend Charlie Mariano (!) machten diesen Abend zu einem unvergesslichen Moment, der mir gezeigt hat, dass es auch in Koblenz möglich ist, mit einem Kunstforum der besonderen Art in einer dafür geeigneten Umgebung ein Publikum zu faszinieren. Ich danke den Veranstaltern für dieses Erlebnis und hoffe, dass es gerade in der alten Markthalle weitere Events dieser Art geben wird. Moni Löf, Lahnstein

Lesen, malen, spielen und improvisieren

"Die Art-Night" in der Alten Markthalle bot nicht nur wollüstige Körper, heiße Texte, schrille Töne KOBLENZ. Die Lebensfreude ist unbekümmert, überschäumend im Paris der 30er Jahre: Bohemeleben oft am Rand des Existenzminimums, eingetaucht im Rotlichtmilieu, prickelnd wie melancholisches Flair von Montmartre. Henry Millers "Stille Tage in Clichy", sind wie geschaffen für eine außergewöhnliche Performance. Die erste "Art- Night" in der Alten Markthalle hielt, was sie versprach. Nicht nur beim Top act, der Text, Musik und Aktionsmalerei zu einem kreativen Happening auf der Bühne, beim Publikum zu einer unmittelbaren Erlebnisreise mit vielen Überraschungen führte. Da sitzt, steht und liegt Peter Lohmeyer. Der Schauspieler liest Ausschnitte aus Millers stark autobiographischem "Skandalwerk", während Helge Leiberg mit Feder und Tusche, aber auch mit bunten Pinseln Szenen der Wollust entstehen und wieder verschwinden lässt. Im Mittelpunkt der Story stehen (käufliche) Frauen und Cafés. Ich-Erzähler Joey lernt Nys kennen, die nicht als Professionelle eingeordnet werden will. Kohle nimmt die Dame aber, um deren Phlegma, Indolenz und Sorglosigkeit sie der Buch-"Held" beneidet. Eine Hure, vielleicht geistlos, aber einerLeichtigkeit des Seins frönend, heißblütig und verführerisch. Mit sicherer Hand, lässig, beinahe wie dahingepinselt, entstehen parallel dazu über den Overhead-Projektor die Konturen eines Freudenmädchens, schwarze Striche, die zu einem ausladenden Profil führen, rote Lippen setzen dem Ganzen das farbige I- Tüpfelchen auf. Dazu noch die Umrisse des männlichen Liebhabers und im Nu verschmelzen die Körper. Text und Bild sind für einen Moment deckungsgleich. Ist das Spiel zwischen Sprache und spontaner Zeichnung schon Genuss an sich, toppen elektrische wie akustische Töne das Projekt. Ob neben oder außerhalb der Erzählung, die beiden Gitarristen greifen mal zurückhaltend, dann wieder mit viel Verve ins Geschehen ein. Giorgio Crobu swingt, reißt Django Reinhard-Riffs an, bringt Wes Montgomery-Klänge ins Spiel, ohne traditionell nur zu adaptieren. Ganz anders, aber kongenial ergänzend, gestaltet sich der Part von Lothar Fiedler. Samplings, sparsame Rockeffekte wie klassische Anleihen ertönen aus den Boxen. Nicht weniger brillant ist der Auftritt von x-dream. Die Formation wandelt in kosmischen Trancewelten, Pink Floyd- und Can-Dimensionen nahe, trotzdem eigenständig. Wunderbaren fetzigen Klanghintergrund bietet das Sextett dem Tanzquintett vom Stadttheater, das peppig wie ausdrucksstark die tolle Choreographie Michelles Bransons umsetzt. Mehr Aufmerksamkeit und Publikumszuspruch (hinterbänklerisches Geschwätz) hätte die Gruppe Matucana verdient. Südamerikanische Folklore, durchsetzt von europäisch-nordamerikanischem Rock-Jazz: Gaststar Charlie Mariano schafft es immer wieder, zu den El Condor Pasa-Flöten-Tönen den notwendigen improvisatorischen Kontrast zu blasen. Nicht zu vergessen sind die ausgestellten phantastischen Werke avantgardistischer Künstler von Manfred Mahsberg bis zu Franziskus Wendels. Michael Schaust Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 29.10.2001, Seite 16.
 

Impressum - Sitemap