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Mitreißende "Missa Fortis" in Hambuch: Wenn ein Talent die purpurne Kirche rockt


Ungewöhnliche Klänge am Altar: Die „Missa Fortis“ ist in Hambuch in rockigem Gewand dahergekommen.
Foto: Julia Heinrich


Außergewöhnliches hat sich in der Dorfkirche zu Hambuch begeben: Die Dorfakademie hatte zu einem Gottesdienst der besonderen Art geladen. Eine „Rockmesse“ war angekündigt, nicht als reines Konzert der „Missa Fortis“, so der Titel des Werkes der Koblenzer Band „INRI“, sondern als wahrhaftiges liturgisches Geschehen.

Bereits auf den ersten Blick merkt man den Unterschied zu einer normalen vorsonntäglichen Abendmesse. Der ohnehin malerische Chorraum von St. Johannes erscheint purpurn erleuchtet, vor dem Hochaltar sind einige Gitarren und ein Keyboard abgestellt. Ein Schlagzeug mit eindrucksvollem Beckenarrangement sowie ein Mischpult samt Lautsprechern komplettieren das Bild. Das Publikum – oder besser die Gemeinde – füllt das Kirchenschiff und darf selbst musikalisch tätig werden, noch bevor die Darbietung beginnt.

Der Refrain des mittlerweile berühmtesten „Hallelujah“ (Leonard Cohen) wird unter fachkundiger Leitung eingeübt, ein kleiner Vorgeschmack auf das, was folgt. Den Einzug des Zelebranten, Diakon Michael Przesang samt Messdienern, begleitet ein eindrucksvolles E-Gitarrensolo (Ralf Elsner), auf einen brachialen Impuls der Bass-Section (Wolfgang Lucke) folgt die Rockorgel (Theo Enders). Die Band besteht aus den klassischen Rockinstrumenten und zwei Sängern (Ricarda Batta-Kollias und Horst Gottlob). Über die Ausstattung mit gleich zwei Gitarren (Enders und Winfried Hetger) freuen sich Heavy-Metal-Fans. Die werden nicht enttäuscht, denn die genretypischen Sololäufe im Terzabstand ziehen sich durch die gesamte Messe. Der Bass liefert die Energie, und die Drums (Jörg Schwickerath) den Herzschlag dazu.

Erkenne Dein Talent und mach etwas draus!
So lautete eine zentrale Botschaft eines ungewöhnlichen Abends in der Hambucher Kirche St. Johannes.

Der in wechselnden Konstellationen gesungene Text entspricht streng den jeweiligen Messteilen (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus/Benedictus sowie Agnus Dei) und ist in der Universalsprache der Kirche gehalten – Latein. Ein Duktus, der zu Rock beziehungsweise Metal hervorragend passt. Und in einer Kirche erst recht.

Musikalisch sind diverse Feinheiten zu finden, die den Text aufs Beste ausdeuten. Vertreter der Musikwissenschaft hätten ihre Freude daran. Wer nicht ganz so genau hinhört, wird von besagter Energie und Freude am Spiel und der Botschaft mitgerissen. Manch guter Katholik muss eine gewisse Hemmschwelle überwinden, sich zu erlauben, den Künstlern nach jedem Messteil den verdienten Applaus zu spenden.

Der Text des Evangeliums könnte besser nicht passen. Um den strengen Herrn geht es, der seine Diener mit einer willkürlichen Zahl an Talenten ausstattet. Der, der sein einziges Talent aus Angst vor Verlust im Acker vergraben hat und somit keine Rendite liefern kann, wird der Finsternis überlassen. Solch eine Aussage von Jesus? Ist das christlich? Aber ja, erfahren wir. Wer aus seinem Talent etwas macht, wird belohnt. Wer es aus Angst versteckt und am Status quo mit aller Macht festhält, stürzt sich selbst in die Finsternis. Glücklich macht so eine Haltung nicht, weder die Talentierten noch die, die davon hätten profitieren können. Und somit wird die Botschaft klar: „Erkenne Dein Talent und mach etwas draus!“

Was dann entstehen kann, erlebt man an diesem Abend. Musiker, die ihre Leidenschaft leben, ein Geistlicher, der dies ebenfalls tut, und viele Unbekannte und Unbenannte in den Kirchenbänken, die sich im Gehörten entweder bereits wiederfinden oder beim kollektiv swingenden „Amen“ am Ende inspiriert werden, vergrabene Fähigkeiten zu heben. Bei sich oder anderen.

Von unserer Mitarbeiterin Julia Heinrich / Rhein Zeitung Kreis Cochem-Zell 23.11.2017

RZ-Bericht zum Download

 

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